Der Golf von Morbihan war ja unser eigentliches Ziel. Im vorletzten Sommer schockverliebt in die kleine Stadt Vannes und die südliche Halbinsel Rhuys, eigentlich das ganze Insel-Meer-Golf-Konglomerat zwischen Land und Atlantik, wo man nie so genau weiß, auf was für ein Stück Land man nun eigentlich gerade schaut. Mit einem wunderbar milden Winterklima, dennoch natürlich Bretagne: Sonne, Wind, gelegentlicher Regen, kein typisch „südliches“ Überwinterungsziel, das man hier aber auch gar nicht erwartet.
Wir mäandern uns zunächst von Saint Malo von der Ostseite an den Golf ran, angefangen in Pénestin, einem kleinen Ort an der Mündung des Flusses Vilaine, wo es in der Nähe den größten Mündungsstaudamm Europas und auch ein paar prähistorische Objekte gibt. Es verschlägt uns auf einen kleinen Platz zwischen Ferienwohnungen und Wald, der optimal mit Strom und VE ausgestattet ist und nur ein paar hundert Meter vom Strand entfernt liegt. Strand? Mehr oder weniger zufällig hat es uns hier an den Plage de la Mine d’Or, also Goldminenstrand verschlagen. Eine kleine, rot-orange sedimentierte Falaise (Klippe) erwartet uns hier, die uns gleich zu Beginn verzaubert. Wir können uns kaum trennen … dabei sind wir noch nicht mal im „Zielgebiet“! So kann es gehen. Der „normale“ Strand am nächsten Tag ist dagegen fast langweilig.
Weiter geht es aber dann in den Süden von Morbihan, die Halbinsel Rhuys und Sarzeau, wo wir zunächst wieder an der Atlantikküste landen.
Leider ist der von uns gewünschte, meernahe Parkplatz südlich des Cháteau Suscinio abgedengelt und wir nehmen mit dem Schlossparkplatz vorlieb.
Den Sonnenuntergang gönnen wir uns aber noch mit einem kleinen Spaziergang durch das Biotop Schrägstrich Vogelschutzgebiet zum Strand runter. Auf Stegen geht es eine kleine Strecke „über“ die Sumpfgebiete, bis wir plötzlich an einer Kreuzung stehen: rechts weiter über den Steg, weit weg vom Strand, oder links … durch ziemlich schlupfigen Schlamm ein paar hundert Meter zum Strand. Ein befragter Ortskundiger murmelte etwas von „vielleicht nicht zugänglich“, aber naja … no risk no fun. Immerhin hatte ich die bequemen veganen Treter im Pösslchen gelassen und dafür die guten Wanderschuhe aufgezogen, was mir den Abend rettete. Und Ray war mit seinen Schluffen schmerzfrei.
Am Strand kaum trennen können von kleinen Vogelgetier in der Brandung, man kennt das ja, und dann den zivileren Weg (über unseren Wunschparkplatz) zurück zum Pösslchen. Zwischendurch nette Gespräche mit Menschen, die die Gegend außerhalb der Saison ebenso lieben wie wir. Auf Französisch, Englisch, Deutsch (von wegen: die Franzosen, keine Fremdsprache und so. Alles Quatsch, schon lange).
Vor uns liegt eine tiefdunkle Nacht allein auf einem riesigen Parkplatz, vor uns der Schatten der Burg. Die wenige Besucher und Angestellten, die abends im Stockfinsteren noch wegfahren, nehmen keine Notiz von uns, und die beiden Kater spazieren die liebevoll angelegten Grünanlagen ab. Beide, quelle surprise! Wie bereits im Sommer bemerkt, braucht der Womokater immer ein paar Tage, bis Bewegungsbedarf die Schissigkeit schlägt … bonne nuit!