Von den Schwefeldämpfen zum Mittelmeer

Toskana mit dem Wohnmobil, Tag 15 (Saturnia – Monte Argentario)

Saturnia begrüßt uns mit dem schon bekannten morgendlichen Nieselregen und bedecktem Himmel. Wir haben abends schon entschieden, daß wir hier nicht bleiben wollen – Akkus aufladen, Dusche und Entsorgung – 16 Euro, einmal kostenlos Schwefelluft an den Thermen schnuppern, und dann weiter Richtung Meer.

Ausschnitt des Stellplatzes in Saturnia: eine gute Lösung, in Laufweite zur Therme, aber nix für uns.
Ausschnitt des Stellplatzes in Saturnia: eine gute Lösung, in erträglicher Laufweite zur Therme und mit kostenlosem Shuttlebus, aber nix für uns.

Gelber Schlauch, Chemiklo spülen, grüner Schlauch, Trinkwasser. Oder war's andersherum?
Gelber Schlauch, Chemiklo spülen, grüner Schlauch, Trinkwasser. Oder war’s andersherum? Wir sparen uns das Frischwassertanken für diesmal …
Abschied …
Abschied …
Hier hätten wir uns noch reinhängen können
Hier hätten wir uns noch reinhängen können
Blick von oben auf die Thermen
Blick von oben auf die Thermen

Auch wenn der Womo-Führer deutlich davor warnt, an die Küste zu fahren, wollen wir uns einen eigenen Eindruck verschaffen. In Manciano füllen wir unseren gefräßigen Kühlschrank mit Vorräten für das Wochenende, und dann lassen wir Pösslchen rollen. Und dann: das Meer! Blauer Himmel! Sonne! Wow, wie lange waren wir nicht mehr am Mittelmeer?

Erinnert sich noch jemand an den Hagel vor drei Tagen?
Erinnert sich noch jemand an den Hagel vor drei Tagen?

Monte Argentario ist eine Halbinsel, die mit drei Landbrücken mit dem Festland verbunden ist. Zwei davon sind befahrbar, die Dritte der Natur vorbehalten. Wir düsen den nördlichen Damm entlang und suchen auf der Insel den schnellsten Weg zum Strand – was erstaunlicherweise sogar gelingt, dank Rays intergalaktischer OSM-Navigation. Von den Monster-Agaven, die von den Steinmauern rechts und links in die offenen Fenster reinwachsen, will ich jetzt mal nicht reden, am Ende war Strand.

Wir rüsten uns mit Picknickzutaten, kurzen Hosen und Sonnenspray aus (erwähnte ich, daß ich eine Reise nach Italien ohne Badeanzug angetreten habe …?) und legten uns eine Weile an den mäßig gefüllten Strand. („hallo Bauch, erschrick nicht – das da oben ist die Sonne, kannst Dich vielleicht nicht mehr erinnern“)

…

Bevor wir das Gefühl hatten, daß unsere Haut den Sonnenschock nicht verträgt, sprang ich nochmal unzureichend bekleidet ins Wasser (no photos!), und halb naß und halb mit Sand den Poren zogen wir weiter ins nächste Hafenstädtchen, um die Stellplatzoptionen für die Nacht auszuchecken. Dolle sind sie wirklich nicht, ein Platz ist an der Lagune (Moskitos hatten wir aber schon zur Genüge, danke!), und der Parkplatz in Porto Ercole, den Gabi Gölz’ Reiseführer als Parkmöglichkeit, „auf dem man in der Vorsaison auch schon mal eine Nacht stehen kann“ gekennzeichnet hatte, war zwar riesig, zentrumsnah und zu 80 % leer – aber genauso wie die Innenstadt für Wohnmobile vollständig verboten (ohne jegliche Park-Alternative!) Da fühlt man sich doch wieder mal richtig herzlich willkommengeheißen, diese Kombination „alles verboten, dreh um und hau ab“ gab es ja nicht einmal in Siena … wir stellten uns schließlich für eine Stunde etwas abseits auf einen einfachen PKW-Parkplatz, wo zumindest kein Verbotsschild für Womos zu sehen war, und liefen ins Städtchen, um ein köstliches Eis an der Hafenmole zu genießen. Liebe Porto-Ercolaner: wir hätten hier noch den ganzen Samstagabend sitzen, Cocktails schlürfen und ein „Menu Turistico“ konsumieren können – aber Ihr wollt uns ja anscheinend nicht.

Den Platz auf der nördlichen Landbrücke mit einem abends leeren Strand in 80 Meter Entfernung, auf dem wir nun mit drei anderen Fahrzeugen frei stehen, könnten wir als Geheimtipp verkaufen, aber vermutlich ist er demnächst auch wieder verschwunden, sobald er irgendwo als Empfehlung auftaucht. Jedenfalls gibt es auf Monte Argentario auch reichlich Campingplätze und weitere kostenpflichtige Angebote, aber uns war nach der Anwandlung von Massentourismus in Saturnia nach etwas ruhigerem. Das haben wir gefunden.

„Unser“ Strand beim Stellplatz. Theoretisch hätte man bis hinter die Dünen fahren können, aber das hat Pösslchen sich dann doch nicht getraut.
„Unser“ Strand beim Stellplatz. Theoretisch hätte man bis hierhin fahren können, aber das fand Pösslchen dann doch etwas zu dreist (und er hatte Angst, in den Dünen steckenzubleiben)
Highlight des Abends: Beim Pfannkuchen-Zubereiten merken, daß man freistehend ja keinen 220-Volt-Anschluß hat. Ganz lässig den Wechselrichter aus dem Schrank ziehen – unbezahlbar.
Highlight des Abends: Beim Pfannkuchen-Zubereiten merken, daß man freistehend ja keinen 220-Volt-Anschluß hat. Ganz lässig den Wechselrichter aus dem Schrank ziehen – unbezahlbar.

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